Von Malte Hemmerich
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Der Kritiker, ein schlechter, dummer Musiker

Musikkritik braucht Musik. Das ist ein logischer Schluss. Um Musik zu kritisieren, zu beschreiben und darüber zu diskutieren, muss konzertiert und aufgenommen werden. Der Umkehrschluss ist nicht so einfach. Ein fehlender Kritiker macht ein Konzerterlebnis nicht ungeschehen.

Das Netz mit seiner vielfältigen Foren- und Blogkultur, mit seiner Kommentarfunktion in den sozialen Medien dank welcher jeder Nutzer zum Teilzeitkritiker und Bewerter werden, außerdem sich aus hundertfachen Quellen breitgestreut informieren kann, relativiert den professionellen Kritikerberuf – so scheint es.

Doch lange bevor über das „Wer, Wo, Wie und Wann“ der Relevanzrettung einer professionellen Musikkritik im Internet diskutiert werden sollte, stellen wir eine andere Frage:

Warum Musikkritik?

Und wozu nutzen die Menschen sie? Ein kurzes Stimmungsbild vom Heidelberger Frühling.

1. Der Besucher

      besucherin

Er ist live dabei und liest im Anschluss ans Konzert die Kritik. Oder aber, wenn er nicht anwesend war, soll er begeistert, natürlich auch informiert werden, wenn es nicht so gut war. Kurzum: Der Kritiker gibt eine öffentliche Meinung ab, an der sich gerieben oder der zugestimmt werden kann. Ein Beitrag zum Diskurs, eine Dienstleistung.

2. Der Musiker

      stipendiatduflot

Er ist Profi. Meist weiß er, wenn etwas nicht funktioniert hat oder sogar richtig schief gegangen ist. Eine erste direkte Reaktion gibt das Publikum ab. Aber wer kann in jeder Situation den Höflichkeitsapplaus vom lobend gemeinten unterscheiden? Haben Musiker ein Interesse daran, dass ihre Leistung von „Experten“ in der Öffentlichkeit besprochen wird? Der Stipendiat und Cellist Charles-Antoine Duflot sagt dazu:

3. Der Komponist

      rzewski

Steht ein Werk außerhalb des Repertoires auf dem Programm, wird der Rezensent des Abends auch zum Werkkritiker. Bei einer Uraufführung ist er meist sogar einer der ersten Menschen, von dem der Komponist im besten Fall ein analytisches Feedback erhält. Was aber soll der Kritiker sagen, was der Komponist nicht sowieso schon weiß. Der Komponist Frederic Rzewski hat eine ganz spezielle Meinung zur schreibenden Zunft.

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