Von Anna Lang
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Bach und die Zahl 14 sind unzertrennlich. Nach dem natürlichen Zahlenalphabet ist a gleich eins, b gleich zwei, c gleich drei und so weiter. Summiert man die dazugehörigen Zahlen zu den Buchstaben von B-A-C-H, ergibt das: 2 + 1 + 3 + 8 = 14. Logisch, oder? Mit der Tonfolge b-a-c-h hat er viele seiner Werke signiert.

Wo findige Musikwissenschaftler überall die Zahl in Bachs Werk verorten, ist erstaunlich. In den „Goldberg-Variationen“ komponiert Bach 14 Kanons über die Basslinie der „Aria“. Seine „Kunst der Fuge“ enthält 14 „Contrapuncti“. Nicht zuletzt trägt Bach auf einem berühmten Porträt 14 Knöpfe an der Weste. Die Musikwelt ist sich beinahe sicher: Das kann doch kein Zufall sein?

Vorhersage des eigenen Todesdatums?

In des Meisters Musik lässt sich wirklich alles zählen; und in Botschaften übersetzen: Noten, Takte, Einsätze oder Worte. Es gibt Fachkundige, die behaupten, Bach habe durch die Zahl der Takte in den „Goldberg-Variationen“ sein Todesdatum vorhergesagt. Einiges scheint klar und glaubhaft: Im Choralvorspiel „Dies sind die heil’gen Zehn Gebote“ BWV 678 tritt das Thema der Zehn Gebote zehn Mal auf. Lange rechnen muss da keiner. Wie in der h-Moll-Messe, wo der Chor 43 Mal das Wort „Credo“ singt. Und die Zahl 43 ist nach dem Zahlenalphabet die Summe der Buchstaben C-R-E-D-O.

So weit, so gut. Aber es wurde auch Dubioseres aus dem Rechenschieber gelesen. Pseudo-Wissenschaftler spielen mit Bachs Musik Sudoku und treffen exaltierte Aussagen über vermeintlich versteckte Botschaften. Wer sucht, der findet. Bach ist genial. Aber versteckte er tatsächlich Kreuzworträtsel? Zu seiner Zeit waren Zahlenspiele in der Gesellschaft beliebt, es gibt aber keine eindeutigen Belege, dass der Komponist sie in seinen Werken verwendete und spirituelle Aussagen treffen wollte.

Dahinterkommen liegt in der Natur des Menschen

Jenseits der Spekulationen um die Zahlensymbolik ist es eine Tatsache, dass Bachs Komponieren auch auf mathematischer Konstruktion basiert. Der bewusste Umgang mit formaler­ Proportion, kontrapunktischer Technik und mathematischer Zusammenhänge war ihm selbstverständlich. Symmetrie gehört im Barock zu den zentralen Gestaltungsmitteln.

Woher kommt unser Decodierungswahn? Reicht nicht die Wirkung der Klänge? Das Entdecken, das Dahinterkommen liegt nun einmal in der Natur des Menschen. Aber gibt es in Bachs Komposition versteckte Botschaften? Beantworten kann das keiner genau, darüber spekulieren aber schon. Und hören kann man es gleich gar nicht.

 

Prof. Dorothea Redepenning hat eine klare Meinung zu den Pseudo-Wissenschaften der Zahlensymbolik:

      Han Kim im Musikalischen Interview - Han Kim

 

Toccata und Fuge d-Moll, BWV 565, gespielt von Hans-André Stamm mit einer animierten graphischen Partitur:

Titel-FOTO: russell davies

 

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