Von Thilo Braun
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Wenige forschen so nach der Stimmung im Spiel des Anderen, nehmen sie so behutsam auf, wie das die Musiker des Quartetto Indaco und der Klarinettist Julian Bliss tun. Sie spielen Wolfgang Amadeus Mozarts Klarinettenquintett A-Dur KV 581 und vier Klangstudien von Wolfgang Rihm. Es ist ausgerechnet das Repertoirestück, das an diesem Mittag im Ballsaal der Heidelberger Stadthalle wie neu klingt.
Das Thema im zweiten Satz gehört wohl zum Schönsten, was Mozart geschrieben hat. Dabei ist es im Grunde ziemlich einfach gestrickt: In gemächlichem Tempo singt die Klarinette eine friedvolle Weise in F-Dur, darunter murmelt ein gedämpfter Streichersatz. Manche Interpreten versuchen, die Spannung mit Schwellungen oder Betonungen zu verstärken. Julian Bliss lässt den Klang einfach strömen und erreicht damit umso mehr.
Alles wirkt ungezwungen in diesem Konzert, die Reprisen sind pures Glück, vertraute Themen kehren wie aus dem Nichts heraus wieder. Gerade weil die Musiker nichts aufplustern, strahlen die Melodien in natürlicher Pracht. Die Primgeigerin Eleonora Matsuno führt mit elektrisierender Präsenz, ohne sich dabei zu wichtig zu nehmen. Ihre Läufe im vierten Satz sausen nur so dahin, alles ist im Fluss, verändert sich stetig, wie vorbeirauschende Landschaften beim Blick aus dem Zugfenster. An ihrem Zusammenspiel mit Jamiang Santi und Francesca Turcato an zweiter Violine und Viola spürt man, wie gut dieses 2007 gegründete Ensemble aufeinander abgestimmt ist. Jeder Einsatz sitzt, Phrasen gestalten sie vereint. Es passt.
Rihms Vier Studien zu einem Klarinettenquintett sind ein Werk voller Kontrast. Schrill wie ein Sinuston die Klarinette im ersten Satz, energisch die Kommentare des Cellisten Cosimo Carovani zum Gewusel irrender Melodien, es knirscht und kracht. Zwischendurch, umso sehnsuchtsvoller, harmonische Fetzen – da meint man Melodien von Mozart und Haydn herauszuhören.

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