Von Miriam Stolzenwald
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Das Beste kommt oft am Schluss. Im Konzert des Fauré Quartetts in der Alten Aula in Heidelberg war das der Fall. Erst nach der Pause wurde es so richtig interessant – trotz der Uraufführung von Toshio Hosokawas Stück „The Water of Lethe“, den „Wassern des Vergessens“. Die vier Quartettmusiker, als Widmungsträger der Komposition, interpretierten empfindsam und ehrfürchtig. Der Komponist selbst sagt über dieses Werk: „Ich möchte Musik schreiben, die keinen Anfang und kein Ende hat, wie ein sanft dahinfließender Fluss. Klang ist für mich eine Metapher für Wasser.“ Dass solche Assoziationen  entstehen, ist nicht von der Hand zu weisen. Aber diese lang gezogenen Flageolett-Töne, diese anfangs aus dem Unisono entwickelte, minimale Tonvarianz, das Vorwärtsdrängende und sanft Wogende der Bewegung, das zugleich suchend, aufgewühlt, panisch und bedrohlich klingt, das alles war vorher schon einmal da. Vielleicht war es aber auch nicht Hosokawas Intention, etwas Neues zu erfinden. Schließlich hält das Stück ein, was er sich von seiner Musik erwartet hatte: Mit dem letzten verklingenden Ton könnte der erste wieder beginnen. Der Kreis hat sich geschlossen – der Fluss des Vergessens führt ins Unendliche.

Sein Klavierquartett op. 2 in f-Moll schrieb Felix Mendelssohn Bartholdy im Alter von vierzehn Jahren. Ein Werk mit vergnüglichem Charakter, aber nicht ohne Tiefe, dessen jugendliche Leichtigkeit die Musiker vielleicht dazu verführte, es nicht ganz ernst zu nehmen: Sie spielen unter ihren klanglichen Möglichkeiten, für die Mendelssohns Stück doch so viele schöne Gelegenheiten bietet. Der Streicherton wirkt gedeckt und trocken, das Klavier lärmt blechern im Hintergrund, das Violoncello hat quasi den Frosch im Hals. Erst im vierten Satz verschmelzen die Quartett-Spieler musikalisch zu einer Einheit, woran der sprühende Charakter des Allegro molto vivace vermutlich nicht unschuldig ist.

Robert Schumanns Klavierquartett in Es-Dur liegt den Interpreten offensichtlich besser. Mit erfrischender Leidenschaft wird hier die Dynamik ausgespielt, was der Klarheit der Form zugute kommt, die Spieler übergeben einander musikalisch das Wort, Motive werden übernommen und weiterentwickelt.

Zum schönsten Klangbild fand das Fauré Quartett bei der Zugabe. Das Andante aus dem Klavierquartett op.60 von Johannes Brahms schwelgte in Verliebtheit und Emotionen. Applaus.

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