Von Robert Colonius
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Musik kommt immer von den Musikern? Weit gefehlt! Jeder Zuhörer ist unverzichtbarer Teil von Ouvertüre, Symphonie oder Blockflötenimpro. Eine angemessene Würdigung fand bisher noch nicht statt. Dabei gehört die aktive Teilnahme des Publikums schon immer zum Konzertabend wie die Musik selbst. Hier die drei gängigsten Varianten.

Da wäre einmal das „dezente Räuspern“ (dR). Setzt ein, kurz bevor die Musiker zu spielen beginnen; dient so der Überbrückung zwischen Applaus und erstem Ton; vermeidet die nichtssagende Stille. Doch auch im weiteren musikalischen Verlauf hat dR feste Einsätze. Da man nämlich im Fortissimo eh nichts anderes hört als Musik, beschränkt sich dR auf die Pianostellen.

Eine zweite Spieltechnik ist das „mundoffene Husten“ (muHu). Ad libitum jederzeit anwendbar, da die Klangresonanz der Mundhöhle voll ausgeschöpft wird und das muHu somit stets hörbar ist. MuHu ist äußerst beliebt und sehr verbreitet. Wahre Kenner der Materie werden ihr muHu in Generalpausen unterbringen, denn ehrlich: Pausen sind für Faulenzer!

Die elaborierteste Stufe der aktiven Publikumsbeteiligung nennt sich „Husten solange unterdrücken, bis sich die Wangen wie Hamsterbacken aufplustern, alle Luft auf einmal ausströmen muss und ein rufähnliches Geräusch erzeugt“, oder: „HsubsdWwHaaLaeamuerGe.“

Die Kreativität des Publikums ist unerschöpflich. Moderne Möglichkeiten des Mitmusizierens, etwa das Hustenbonbonpapierostinato oder die Mobiltelefontoccata erobern zur Zeit die Konzertsäle im Sturm. Kein Bach, kein Mozart, kein Johann Strauss jr. kommt ohne das aus. Wären unsere Konzerte heute sonst nicht viel zu öde? Zu leise, zu weltfern? Und unendlich schön?

 

 

 

 

 

 

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