Von Maximilian Maier
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Wenn man den Intendanten des Heidelberger Frühlings trifft, wird schnell klar: der Mann hat keine Allüren. Thorsten Schmidt geht offen, natürlich und interessiert auf die Menschen zu, schnell ist man beim informellen „Du“. So ist einfach der Umgangston beim Festival, das so stark vom Miteinander lebt: vom Diskurs mit dem Publikum, von der gemeinsamen Arbeit an künstlerischen Inhalten, von der Kommunikation der Teilnehmer untereinander.

Zu Schmidts unprätentiöser Art passt auch, dass er dem diesjährigen Geburtstag des Heidelberger Frühlings nur eine untergeordnete Rolle beimisst. „20 Jahre ist ja eigentlich kein echtes Jubiläum”, tiefstapelt er. Aber natürlich freut er sich über diese Zahl, mit der zu Beginn noch niemand rechnen konnte. Für Schmidt bedeutet sie eine erfolgreiche Zeit gemeinsam mit der ganzen Stadt Heidelberg. Deswegen soll die Geburtstagsfeier am kommenden Freitag auch keine exklusive Veranstaltung werden, sondern ein Fest für alle.

In den vergangenen zwanzig Jahren hat Schmidt bewiesen, dass er ein Mann ist, der gerne anpackt. Das war gerade zu Beginn, als sich das Festival noch nicht etabliert hatte und finanziell auf wackeligen Beinen stand, bitter nötig. Damals war der gebürtige Oldenburger in allen Bereichen des Heidelberger Frühlings tätig, vom Bühnenaufbau bis zum Marketing. „Natürlich ist der Mangel kein erstrebenswerter Zustand”, versichert Schmidt. „Aber er kann Energie und Inspiration freisetzen. Generell brauchen Festivals immer Personen mit klaren Ideen.”

Schmidt fehlt es nicht an solchen Ideen, und er setzt sie konsequent um, wie zum Beispiel bei der Akademie oder dem Lied.Lab. Viele davon entstehen durch den aktiven Austausch der Künstler untereinander während des Frühlings. Marc-André Hamelin und Igor Levit beispielsweise haben dieses Jahr ein gemeinsames Konzert gegeben und wollen in Zukunft unbedingt mehr Projekte miteinander verwirklichen. Die kontinuierliche Zusammenarbeit mit prominenten Musikern ist eine unverzichtbare Säule des Heidelberger Frühlings. Aber auch Koproduktionen, wie dieses Jahr mit dem Podium Festival in Esslingen, entstehen durch den regen Austausch direkt während der Wochen im April. Schmidt drückt das so aus: „Was hier passiert, fängt oft erst so richtig an zu blühen, wenn es vorbei ist.” Für den Intendanten darf es niemals Stillstand geben, das Festival soll sich beständig neu erfinden und hinterfragt werden. „Sonst laufen sich Dinge tot und werden blutleer.”

Und was wünscht er sich für die kommenden Jahre? Natürlich den Ausbau der Stadthalle zu einem akustisch hochwertigen Konzertsaal, der das Publikum noch näher an das Geschehen heranrücken soll. Der Stadtrat berät zurzeit über die Pläne. Und ahnt sicher schon, dass Schmidt auch in diesem Fall hartnäckig dranbleiben wird. Aber der Intendant hat noch einen Traum: ein großes Haus in Heidelberg, das ganzjährig Künstlern aller Richtungen zur Verfügung stehen soll, die dort ihre Ideen verwirklichen können. Das Vorbild dafür ist die „Villa Massimo“ in Rom. „Das sollte ein richtiger Think Tank sein, wo sich die Kunstrichtungen gegenseitig kreativ befruchten und Projekte entwickelt werden”, schwärmt er. Denn eines steht für ihn an erster Stelle, besonders wenn es um die Jugend geht: Wenn man eine gute Idee hat, soll man nicht warten, bis andere auf einen zukommen oder sich irgendwann eine Möglichkeit auftut. Mann muss sie selber beim Schopf packen und umsetzen. Thorsten Schmidt hat es vorgemacht: Wer viel schaffen will, muss groß träumen und beherzt daran arbeiten.

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