Von Eleonore Büning
Posted: Updated:
0 Kommentare

Elgar und Vaughan-Williams

von Anna Chernomordik

Musik von der britischen Insel gilt hierzulande vielen als guilty pleasure, all zu konventionell wirkt das, was die englischen Nationalhelden Edward Elgar und Ralph Vaughan Williams zu Beginn des zwanzigsten Jahrhunderts komponierten, verglichen mit der Musikentwicklung auf dem Kontinent, den Innovationen Schönbergs oder Strawinskys. Und doch eignen sich ihre Werke bestens zum Schwelgen und Feiern. Zum Beispiel: Für das Geburtstagsfest des Heidelberger Frühlings, der sich Sponsoren, Gönner und Freunde aus nah und fern eingeladen hatte; aber auch zum Gedenken an Yehudi Menuhin, dessen Hundertster sich an diesem Tag gejährt hätte.

Menuhin war Weltbürger, aber vor allem ein leidenschaftlicher Londoner.  In Elgars „Introduction and Andante“ für Streichquartett und Streicher stellten sich zuerst die Stipendiaten der Kammermusik-Akademie vor. Sie setzten das Niveau des Abends hoch an. Spieltechnisch hervorragend, bemerkenswert in der an Kontrasten reichen Interaktion zwischen dem Quartetto Indaco und den neun Streichern, sorgten sie für frischen Wind im Saal.

In britisch-gelassener Manier trug Simon Bode den Liederzyklus „On Wenlock Edge“ von Ralph Vaughan Williams vor. Igor Levit und das Aris Quartett bereiteten ihm die atmosphärische Grundlage für diese volksliedähnlichen Weisen.

 

Ravel

von Miriam Stolzenwald

Und dann breitete sich im Raum akustische Wärme aus. Isang Enders, Igor Levit und Marc Bouchkov verzauberten mit einem Schlag die Stimmung im Saal. Ihre Interpretation des Klaviertrios a-moll von Maurice Ravel wurde zu einem Geburtstagsgeschenk in allen Klangfarben. Die drei Stimmen von Klavier, Violoncello und Geige verschmolzen zu einem Ganzen, so vollkommen,  als sei dies die Äußerung eines einzigen Instrument. Unterstrichen wurde dieser Eindruck durch die außergewöhnliche Pianissimokultur der Musiker, die der Melancholie und Zartheit der Komposition voll entsprach.

 

Jolivet

von Robert Colonius

Was ist der Heidelberger Frühling? Das seien vor allem die Menschen und Geschichten, sagte der Festivalintendant Thorsten Schmidt. Und ließ es sich nicht nehmen, etlichen ehemaligen und jetzigen Mitarbeitern des Festivals, die im Publikum saßen, zu danken. Auf diese Lobrede folgte das Klagelied. „Chant de Linos“ von André Jolivet ist ein sehr atmosphärisches Stück, worin das antike Griechenland beschworen wird. Hysterische Schreie der Flöte (Tatjana Ruhland), ein derber Bauerntanz im Siebenachteltakt und am Ende ein sonnenüberflutetes Weinfeld: Dieser musikalische Ausflug in die Dissonanz wurde mit Begeisterung aufgenommen. Zum Finale spielten sieben Streicherakademisten gemeinsam mit dem Cellisten Daniel Müller-Schott das Oktett op. 20 von Felix Mendelssohn Bartholdy, mit perfekter Intonation und reinem Klang.

 

 

Ähnliche Beiträge

Schubert trifft auf Messiaen beim „Standpunkte“-Konzert mit Markus Hinterhäuser, Igor Levit und dem...

Igor Levit stellt erstmals die „Passacaglia on DSCH“ von Ronald Stevenson vor

Von heiligen Kriegern: Das Quatuor Debussy und Sebastian Koch mischen in der Hebel Halle „Worte und...