Von Anna Chernomordik
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Angekündigt war Julian Bliss. Aber: Es spielte Han Kim. Er ist Klarinettist, wie Bliss, und Stipendiat der Heidelberger Festival Akademie. Schon sein erster Einsatz in Wolfgang Amadeus Mozarts Kegelstatt-Trio Es-Dur KV 498 ließ aufhorchen. Er spielte diese Kantilene mit warmer, kompakter Tongebung. Oft hört man bei Klarinettenspielern Luftgeräusche, die auf Kosten der Dichte des Tones gehen; das ist bei Kim nicht im Geringsten der Fall, sein Klang ist ungetrübt und rein – genau wie bei einem guten Sänger, bei dem die Stimmlippen perfekt geschlossen sind. Stilbewusst gestaltete Kim kleine Verzierungen. Schön, wie geschmeidig er Läufe gestaltete, ohne dass die Ventile klapperten. In den Mollpassagen des Menuetts fand Kim auch verhangene, melancholisch anmutende Klangfarben.

Ohne Luftgeräusch

Igor Levit am Flügel war der Inspirationsquell des Trios. Bei ihm liefen alle Fäden zusammen. Wie ein Libero hatte er seine Partner stets im Auge, gab entschieden Impulse oder nahm sich sanft zurück. Björn Sperling, Viola, blieb im Hintergrund, besonders im abschließenden Rondeau, worin die Bratsche mit vollem Ton das Geschehen an sich ziehen kann.

Mit Plopp

Nur wenige wissen über die klanglichen Möglichkeiten der Klarinette so gut Bescheid wie Jörg Widmann. Seine Komposition „Nachtstück“ wurde von Kim beeindruckend umgesetzt. Mal ploppte die Klarinette wie ein aus der Flasche gezogener Korken, mal sirrte sie wie eine Glasharmonika. Wie Irrlichter huschten die Flageolett-Töne des Violoncellos umher, gespielt von Jonas Palm. Im Trio a-moll op. 114 von Johannes Brahms übernahm Fabian Müller den Klavierpart. Der griff kräftig in die Tasten, das gibt das Stück ja auch her. Daniel Müller-Schott spielte das Cello mit großem romantischem Ton. Er kostete die schwelgerischen Melodiebögen voll aus, da durfte auch mal ein Wolfston knurren. Was einen reizvollen Gegenpart bildete zum klassischen Zugriff von Han Kim. Wohl dem, der so in den Nachmittag starten kann.

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