Von Anna Lang
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Wenn Stars wie die Geigerin Lisa Batiashvili und der Cellist Gautier Capuçon anreisen, kann jedes Konzerthaus mit vollen Rängen rechnen. Beim Heidelberger Frühling sind am Wochenende selbst die letzten Stehplätze auf der Empore der Stadthalle ausgebucht, und für das Tonhalle-Orchester Zürich unter Leitung seines jungen Chefdirigenten Lionel Bringuier ist der Abend eigentlich schon gelaufen, bevor überhaupt der erste Ton gespielt wird. Denn: Batiashvili, Capuçon, die beiden sind wie zwei Trümpfe in der Hand.

Schrecken und Resignation

Wie üblich präsentiert das Tonhalle-Orchester dem Publikum aber zum Auftakt erst einmal eine populäre Ouvertüre. In den düster-pathetischen Orchesterschlägen, mit denen das Vorspiel zu Goethes Trauerspiel „Egmont“ op. 84 von Ludwig van Beethoven beginnt, ist bereits die finale Hinrichtung des Helden zu erahnen. Das Orchester spielt das so trocken, ohne Brio, ja, statisch, als wolle es diesem angekündigten Schrecken mit gleichmütiger Resignation begegnen. Ähnlich uneigentlich wirkt auch der Umgang Bringuiers mit  Brahms. Sein Dirigat wirkt allezeit elegant, aber auch routiniert. Meint er, was er macht?

Arnold Schönberg hatte 1937 das Klavierquartett g-Moll op.25 von Johannes Brahms für großes Orchester instrumentiert, eine Bearbeitung, die eher selten aufgeführt wird. Aber ein Stück Kammermusik muss nicht unbedingt besser werden, nur, weil die Farbenpracht eines kompletten Symphonieorchesters aufgeboten wird. Vor allem im Zusammenspiel der Holzbläsern ging von der Homogenität, aber auch der Transparenz des Originals viel verloren.

Das Klavierquartett g-Moll op. 25 von Johannes Brahms

Die Bearbeitung: Klavierquartett g-Moll op. 25 von Johannes Brahms (für großes Orchester gesetzt von Arnold Schönberg)

Herzstück des Programms: das Doppelkonzert für Violine, Violoncello und Orchester a-Moll op.102 von Brahms mit Batiashvili und Capuçon. Gleich dessen erste, bis an die Grenze des Geräuschhaften variablen, brummenden Cellotöne, gefolgt von innigen Pianissimo-Passagen, ziehen ins Allegro hinein, leidenschaftlich antwortet die Violine von Batiashvili. Es ist die pure Freude, den beiden zuzusehen – und vor allem zu hören. Beinahe abgeklärt wirkt es, wie sie beide brillant ihre Solo-Passagen ausführen und dann wieder gelassen auf ihren nächsten Einsatz warten, um abermals furios aufzuspielen.

Kastagnetten und Juchhu

Lustvoll und beschwingt servierten Batiashvili und Capuçon als Zugabe das Zigeunerstück aus Erwin Schulhoffs Duo für Violine und Violoncello. Auch das Orchester gab noch etwas zu: ein original-schweizerischer Klamauk, mit Kuhglocken, Kastagnetten, Polka, Dudler und Juchhu. Dem Publikum gefiel es.

 

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