Von Berthold Schindler
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Tianwa Yang komme gleich wieder, sie müsse nur eben den Kinnhalter wieder an ihrer Violine befestigen, sagt der Pianist Nicholas Rimmer. Und da ist sie schon wieder, und das letzte Programmstück, die Violinsonate A-Dur von Johannes Brahms kann beginnen. Es wäre auch ein Jammer gewesen, wenn dieses Recital ein so jähes Ende gefunden hätte.

Die beiden jungen Musiker spielten in der Alten Aula Heidelberg am Sonntagnachmittag vier sehr verschiedene Stücke. In Mozarts Violinsonate e-Moll KV 304 überrascht der Anfang: Der Unisono-Themenkopf steht ganz in Bachscher Harmoniesprache. Chromatik und verminderte Intervalle prägen die Durchführung, Nicholas Rimmer verzichtet aufs Pedal – ein ungewohnt strenger Beginn. Und dann kommt er doch noch durch den Hintereingang, der C-Dur-Mozart, diebisches Vergnügen bereitet es den beiden, ihn mit Staccato und der Floskel aus Quartvorhalt und Auflösung willkommen zu heißen.

Der zweite Satz ist ein Tempo di  Menuetto, für Tanzmusik zu trist. Und als dieser Trauerwalzer herum ist,  holen Yang und Rimmer eine melancholische Intimität aus dem Notentext heraus, den man, so interpretiert,  auch Jahre später hätte verorten können. Zeit für ein romantisierendes Rubato muss sein, zwischen einem perfekt aufeinander abgestimmten Duo bedarf es dazu kaum eines kurzen Blickkontaktes.

Sichtlich gepackt sind die Musiker vom Pathos der Schumannschen a-Moll-Sonate. Ab und zu verfallen beide zu sehr in Schwelgerei,  Yangs Portati übermalen die harmonische Schlichtheit des zweiten Satzes. Zwingend wiederum ist ihr Umgang mit der Dynamik. Sie wagt es, ein zweifelndes Pianissimo so fragil schimmern zu lassen, dass das Morendo am Ende vom zweiten Satz einem sudden death gleicht: Der letzte Ton bricht ab, obgleich noch genug Bogen übrig gewesen wäre. Rimmer seinerseits hat die besten Momente in zupackenden Akkordrepetitionen, ohne an Sensibilität, wo geboten, einzubüßen.

Der letzte Satz der Schumann-Sonate zerstreut diese Intimität, frech umspielt Tianwa Yangs angegriffener Ton, dicht am Steg geformt, Rimmers wilde Akkordbrechungen. Wer individuell und im Zusammenspiel so vielseitig und sicher interpretiert, wie Nicholas Rimmer und Tianwa Yang, kann auch mit Wolfgang Rihms „Phantom und Eskapade“ –  Flageolett-Piepstöne hin, Hoch-Tief-Tongehüpfe her – Wohlgefallen verbreiten.

 

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