Von Nicole Burkhardt
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Wie eine Frage steht das Eingangsmotiv von Beethovens Klaviertrio op. 1 Nr. 3 in c-Moll am Dienstagmittag im Raum, verstärkt durch die zwei folgenden Fermaten: Sollen wir uns wirklich an das Stück wagen? Ja, die drei Musiker sollen! Dafür proben die Stipendiaten des Meisterkurses mit Igor Levit schließlich. Im Mittagskonzert des Heidelberger Frühlings können sich Interessierte von den Ergebnissen überzeugen. Levit selbst übernimmt den Klavierpart.

Igor Levit ist dem Frühling als Pianist und als Leiter der Akademie schon mehrere Jahre lang treu. Die schnellen Läufe, rhythmischen Feinheiten und sonoren Klänge des Pianisten stehen im Vordergrund des ganzen Trios. Christina Brabetz kann sich dagegen vor allem am Anfang nicht wirklich durchsetzen. Die 23 Jahre junge Geigerin spielt mit einer gefühlvollen Energie, die es wahrlich verdient hätte, besser gehört zu werden. Der Klang des Cellisten Julian Bachmann verliert sich noch mehr im voluminösen Klangteppich des Flügels, nicht zuletzt durch seine nüchterne, etwas kraftlose Spielweise. Als die Streicher im zweiten Satz im Pizzicato spielen, hört man fast nur noch das virtuose Klavierspiel von Levit. Kann die Akustik Schuld sein, in der – für Kammermusik – doch offenkundig überdimensionierten Stadthalle?

Oder ist Levit schon so routiniert in Heidelberg, dass es sich jetzt auf die Konzentration niederschlägt? Im dritten Satz verlaufen sich die Hände dann auch einmal kurz, was Levit mit einem lächelnden Kopfschütteln entschuldigt. Schade, mit ein wenig mehr Balance, hätte das technisch gewandte Trio Beethovens Stück mehr Lebendigkeit verleihen können.

Mit Haydn und in neuer Besetzung beginnt der zweite Teil des Konzerts. Die Verbindung der beiden Stücke ist kein Zufall. Der damals 62 Jahre alte Haydn äußerte sich kritisch über das Klaviertrio seines früheren Schülers Beethoven und wunderte sich, dass das Trio ”so schnell und leicht verstanden und vom Publikum so günstig aufgenommen” wurde. Es war das erste, dass Beethoven nicht mehr unter den Augen von Haydn schrieb. Eine Schüler-Lehrer-Beziehung mit Ecken und Kanten also – wie es auch oft bei den Akademien der Fall ist.
Direkt zu Beginn des ersten Satzes wird klar: Es war nicht die Akustik, die bei Beethovens Stück das Klavier so dominant erklingen lies. Bei Haydns Trio Nr. 39 mischt sich der Klavierklang von Valentino Worlitzsch deutlich besser mit den Streichern. Der große Flügel kann also auch leise. So kann auch Christina Brabetz an der Geige deutlich mehr glänzen. Das Trio atmet gemeinsam ein und bewegt sich zusammen, wie ein einziges funktionierendes Instrument. Dynamik und Artikulation des Cellisten Roman Lopatynsky harmonieren wunderbar mit den Klängen der anderen. Besonders im dritten und letzten Satz wird das deutlich: Das Rondo all’ungarese setzt nochmals neue Akzente, und das Ensemble unterstreicht mit seinem kraftvollen Spiel, wie viel Freude man auch als Interpret bei Konzerten haben kann – und nicht nur als Zuhörer.

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