Von Roman Luettin
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Das Heimspiel beginnt vielversprechend. Beim Auftritt des Philharmonischen Orchesters Heidelberg im Rahmen des Heidelberger Frühlings dirigiert Elias Grandy zunächst klar und bescheiden, arbeitet die Details von „The Young Person’s Guide to the Orchestra“ von Benjamin Britten schön heraus. So kommt das tänzerische der dem Werk zugrundeliegenden Suite von Henry Purcell zum Tragen, die Verbindung zwischen Alt und Neu. Ein Manko zeichnet sich jedoch bereits ab: das große Gefälle zwischen dominanten Bläsern und zurückhaltend-matten Streichern.

Im Cello-Konzert von Henri Dutilleux „Tout un monde lontain“ ist es der Solist Maximilian Hornung, der zugleich als Vorleser, Schauspieler und Zuhörer agiert. Mit nie aufgesetzt wirkender Kraft lauscht er in das Werk hinein und entführt das Publikum in ferne Klangwelten. Gedanken formen sich und werden sofort wieder verworfen. Ein Spiel mit Schemen, eine Träumerei. Grandy hingegen ist eher damit beschäftigt, das Orchester zusammenzuhalten – bis Hornung kurzerhand die Leitung übernimmt. Er führt diabolische Dialoge mit den Bläsern, meistert wahnwitzige Doppelgriffe, wandelt immer wieder sein Timbre ab. Für den Hörer wird das zur Herausforderung, verloren zwischen Hornungs Spiel, Dutilleuxs Welt und Grandys unglücklichem Dirigat. War die Probenzeit zu kurz für das ungewöhnliche Programm?

Nach der Pause dann „Four Sea Interludes“, vier der Zwischenspiele aus der Britten-Oper „Peter Grimes“. Hier zeigt Grandy einen anderen Britten, mit Verve schöpft er dessen dramatisches Potential aus. Doch zu unpräzise geht er den ersten Satz an, zu weit ist er den Musikern im dritten voraus, es fehlen Zusammenhalt und innere Konsequenz. Dafür entschädigen das nuancierte Schlagwerk und ein feierlich-pompöses Blech.

Bei Igor Strawinskys Ballettsuite „Feuervogel“ finden Dirigent und Orchester wieder zusammen; technische Feinheiten gelingen ebenso wie das Wechselspiel zwischen Bratschen und Bässen, Posaunen und Trompeten. Streicherklänge blühen auf, das Philharmonische Orchester lädt zum Tanz. Erst jetzt stellt sich an diesem anspruchsvollen, fast überlangen Abend Leichtigkeit ein, auch Einmütigkeit. Endlich.

Das Publikum dankt begeistert. Ein Heimspiel, ja, aber kein Heimsieg, Strawinsky zum Trotz.

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