Von Ida Hermes
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Manchmal ist der Wurm drin. Da möchte nichts zusammenfinden, nichts klingt, so leidenschaftlich auch die Bemühungen des Ensembles Anima Eterna Brügge im großen Saal der Stadthalle Heidelberg, gestern Abend. Dabei war alles so vielversprechend!

Ein Programm, nur mit Kompositionen von Felix Mendelssohn Bartholdy, das gibt es nicht alle Tage. Gespielt auf Instrumenten seiner Zeit, in einer kleinen Besetzung. Anima Eterna ist in den achtziger Jahren als Barockensemble entstanden. Das Orchester hat sich die Suche nach dem Originalklang auf die Fahnen geschrieben, sein Repertoire aber kontinuierlich erweitert, über die Romantik bis hin zur Frühmoderne. Der Aufwand, den die Musiker dabei betreiben, ist enorm. Sie müssen jedes Mal aufs Neue für ein passendes Instrument sorgen, aus der richtigen Werkstatt, aus dem exakten Baujahr. Sie suchen und sichten die Originalhandschriften, vergleichen, diskutieren, erstellen Spielfassungen, studieren Spieltechniken und Musikkritiken der Zeit. So entsteht die Interpretation, Stück für Stück, wie ein Mosaik.

Manchmal wäre es aber gut, mehr zu proben und weniger zu recherchieren. Beim Konzert in Heidelberg jedenfalls passen die Stückchen nicht zueinander. Vielleicht kommt der Klang in dieser großen Halle nicht überall richtig an, vielleicht war die Probenzeit vor Ort zu knapp für diese alten Instrumente, die so ungern Fehler verzeihen, vielleicht gab es aber hinter den Kulissen auch andere Störfaktoren, von denen das Publikum nichts ahnen kann. Chouchane Siranossian, die Solistin im berühmten Violinkonzert e-moll, gerät schon im ersten Satz mit dem Orchester gemeinsam in Turbulenzen, aufgeregte Temposchwankungen sind zu hören, die Klangbalance geht aus den Fugen. Im zweiten und dritten Satz bessert sich letzteres, doch andere seltsame Dinge geschehen, falsche Töne, verpasste Einsätze, das Unglück scheint sich zu verselbstständigen wie eine Phalanx purzelnder Dominosteine.

Die dritte Symphonie a-moll, die „Schottische“,  hat lichte Momente, schöne Holzbläsersoli, gerade im zweiten und dritten Satz. Das Zusammenspiel klappt, die Gedanken wirken artikulierter, der Klang farbenreicher. Das romantische Moment, der Schwung und die Bildhaftigkeit der Klangsprache Mendelssohns fehlt auch hier.

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