Von Magdalena Hinterbrandner
Posted: Updated:
0 Kommentare

Einmal „Lasciatemi cantare“, bitte! Dazu gibt es Kaffee oder ein kühles Weizen, draußen in der Frühlingssonne beim Restaurant „Zum Güldenen Schaf“ mitten im Herzen Heidelbergs. Ausgerüstet mit Sonnenbrille und Hut sitzen die Gäste vor dem Wirtshaus in der Hauptstraße und bestellen sich einen Song nach dem anderen an den Tisch. Der Gitarrist Charly Hanenberg ist Liederkellner, er geht auf Bestellung an die Tische und gibt dort den georderten Song zum Besten, begleitet auf seiner Akustikgitarre:  „Sound of silence“ und „someone like you“ sind der absolute Knaller auf seinem „Lieder á la carte“-Menu, die werden oft bestellt. Gerade ist er dabei, zum dritten Mal an diesem Tag Disturbed’s Hit über den Klang der Stille zu servieren.

Im „Schnookeloch“ in der Haspelgasse singt  die gesamte Gaststätte. Das ist nicht zu überhören schon beim Vorbeilaufen, ein rhythmisches „Cu-cù, cu-cù, l’aprile non c’è più“ lockt uns hinein, wo der Chor „Die Klingende Brücke“ in Begleitung von Gitarre und Violine Volkslieder aus verschiedenen europäischen Ländern singt: Italien, Spanien, Schweden, Bulgarien, Polen…und alle sollen mitsingen! Da kommt keiner drum herum. Gleich beim Reingehen bekommen wir das Textblatt in die Hand gedrückt. Und so singt tatsächlich enthusiastisch das ganze „Schnookeloch“ mit paralleler Bewirtung in der rustikalen Gaststube.

Strahlende Sonne, warmes Wetter, leichte Lüfte, glückliche Gefühle. Mit diesen Zutaten weiterspazierend, wiederum am Liederkellner vorbei, treffen wir ein paar hundert Meter weiter auf die „GrooveBOX“. Direkt vor der Bar „Regie“ haben sich drei Musiker platziert, die den Leuten mit Blues, Rock und Pop  richtig gute Laune ins Gesicht zaubern. „The best time of my life“ – Bryan Adams Song fegt über die Straße und heizt den Platz vor der Regie ein, danach ein langsames „Whats Up“, während der eine leise mitsummt, der andere gemütlich seinen Cocktail schlürft.

Um die Ecke in der Friedrich-Ebert-Anlage ist die Freie Musikschule Andreas Haberkorn zugange, da singt das Vokalensemble „Cantuccini“. Sie tragen Madrigale, Lieder und Chansons von Frühzeit bis Pop vor, und wir lernen gleich noch was dazu: Ein „Kanon-Quodlibet“ ist paralleles Singen verschiedener Kanons mit unterschiedlichen Texten.  Nur Rhythmus und Harmonik müssen zusammenpassen, damit das klappt, es wird bei vollem Saal gleich ausprobiert: Chorleiter Lorenz Miehlich gibt den Ton an, los geht es. Und so singt Chor zusammen mit dem Publikum „Es tönen die Lieder“ und gleichzeitig „Heut kommt der Hans zu mir“, was nicht nur Herrn Miehlich begeistert, sondern auch die vielen Besucher, die alle ihre Freude am Singen ausleben.

In der Unteren, wo am Samstagabend die Studenten durch die Kneipen ziehen, ist diesmal mehr Gedrängel draußen statt drinnen, die weltberühmte Barstraße geht fast aus den Fugen. Eine gewaltige Menschenmenge drängelt sich vor der berüchtigten „Destille“, wo „BC vs Seiterle“ spielt, der Sänger lässig cool gestylt mit dunklen Brillengläsern, Hut und Tattoos am Arm, sein Gitarrist trägt nobel elegant Hemd und Jackett. Rauchige Stimme und akustische Gitarre, mit „Music from elsewere“, wie die Band selbst ihr Programm beschreibt, passen perfekt zum Flair der Unteren. Musik von anderswo, das ist zum Beispiel „Valerie“ von Amy Winehouse, kommt an, macht Laune.

Wenn „Heidelberg singt“, ist viel los auf den Straßen und in den Häusern. Achtundvierzig Stationen gibt es, die meisten in der Altstadt, einige aber zum Beispiel auch in der Bahnstadt oder in Kirchheim. An diesem Tag kommt keiner in der Stadt um die Musik herum. Aber wer will das auch schon?

Ähnliche Beiträge

Schubert trifft auf Messiaen beim „Standpunkte“-Konzert mit Markus Hinterhäuser, Igor Levit und dem...

Anne Cartel über Thierry Pecous Kompositionen.

Igor Levit stellt erstmals die „Passacaglia on DSCH“ von Ronald Stevenson vor