Von Selina Demtroeder
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Die ersten Töne des Orchesters klingen, als sei es der Gastgeber. Wie auf dem Silbertablett reichen die Musiker den Klang, die Emotionen. Das Bergen Philharmonic Orchestra gastiert in der Heidelberger Stadthalle, unter Leitung seines Chefdirigenten Edward Gardner. Ob sich ein Piano zu einem machtvollen Forte aufschwingt oder Tonrepetitionen eine Sogwirkung erzeugen, Gardner dirigiert mit großer Gelassenheit, ja mit Coolness. Schön die Wellenbewegung der Achtel im dritten Satz von Brahms’ erster Symphonie. Man möchte eintauchen, fühlt sich eingeladen, freundlich willkommen.

Überhaupt überträgt sich in der c-moll-Symphonie von Johannes Brahms Gardners Energie auf das Orchester, auch die Ruhe, die er ausstrahlt. Die Oboe glänzt, sie malt Bilder von Heimat, singt weich und warm ihr Lied. Der Abend begann abenteuerlich, mit „Don Juan“, der symphonischen Dichtung von Richard Strauss. Mal punktiert draufgängerisch, mal rasant, dann wieder mit romantisch umschlungenen Bläsermelodien: Wieder wissen Gardner und das norwegische Orchester ihr Publikum einzunehmen, mit Natürlichkeit und Ausdrucksstärke. Die Bassgruppe grundiert diskret, bei der Heldenmelodie wie bei den Liebesszenen. Ein Gänsehautmoment: die Generalpause vor der Trompetendissonanz, dem Todesstoß für Don Juan. Auch Pausen wollen gekonnt sein.

Vor der Pause noch ein Repertoireklassiker, Edward Elgars Cellokonzert. Truls Mørk zaubert Melancholie in den Saal, auch Pathos. Mørk nimmt sich Freiheiten, verlangsamt das Tempo zu den Phrasenenden, das Orchester reagiert aufmerksam. So mancher Zuhörer gerät ins Träumen.

Es ist ein Abend voller Wohlgefühl. Mørk spielt als Zugabe einen geradlinigen Britten, das Orchester Edward Griegs witzig-rasanten „Kobold“ in einer Bearbeitung. Der Applaus will nicht enden.

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