Von Felix Kriewald
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Sie ist der Inbegriff der verschmitzten Wiener Leichtigkeit: Mozarts Sonate für Violine und Klavier F-Dur KV 376. Jedenfalls spielen Bomsori Kim und Rafal Blechacz sie in eben diesem Geist. Die beiden bieten auch einen höchst vergnüglichen Anblick, sie sprudeln förmlich vor Freude und machen es dem Publikum in der Heidelberger Stadthalle unmöglich, nicht wenigstens auch zu lächeln.

Man würde so gerne mit ihnen lachen. Wenn man es nicht besser wüsste, würde man annehmen, die beiden seien schon seit langer Zeit ein eingespieltes Team. Blechacz war vor zwei Jahren auf Kim aufmerksam geworden, nach ihrer beeindruckenden Leistung im Wieniawski-Wettbewerb, und hatte sie per Mail kontaktiert. Kim, die ihrerseits schon seit einiger Zeit ein großer Fan von Blechacz war, stimmte einer Zusammenarbeit sofort zu. Eine Geschichte wie aus dem Bilderbuch!

Die Mozartschen Violinsonaten sind an sich keine Stücke für den Konzertsaal, sondern Hausmusik: verspielt, luftig, besonnen. Noch hat das Klavier dabei die Führungsrolle, Blechacz und Kim indes spielen symbiotisch-gleichberechtigt, unter entschiedener Nichtberücksichtigung der historischen Aufführungspraxis. Mit der Sonate Nr. 1 in A-Dur von Gabriel Fauré wird die Stimmung dramatisch, schmachtend. Spätestens jetzt offenbart sich die technische Perfektion der beiden Musiker. Die rasanten Oktavläufe der Violine, Kims Bogentechnik und der daraus resultierende Klang, sind schlichtweg ein Traum. Blechacz hat, dem Anblick nach zu urteilen, keinerlei Mühe mit den immensen Schwierigkeiten seines Parts, beinahe beiläufig wirkt sein makelloses Spiel. Bei aller spätromantischen Melancholie wird die Interpretation von einer natürlichen  Leichtigkeit dominiert. Wie ein Klagelied, das sich aus dem Nichts manifestiert, beginnt der zweite Satz. Dann blüht die Musik plötzlich strahlend auf. Kim und Blechacz nehmen sich viel Raum zur Klangentfaltung, sie gestalten die Phrasenenden schön aus.

Für jedes Werk, aus unterschiedlichen stilistischen Welten, finden Kim und Blechacz  den passenden Klang. Die g-Moll-Sonate von Claude Debussy beginnt schillernd, zart und zerbrechlich und entwickelt sich äußerst kontrastreich. Mit himmlischem Portamento zeichnet die Geige feine Pinselstriche auf ein farbenfrohes Klanggemälde. Das Intermède, beginnend mit einer Violinkadenz, ist eine einzige Frage. Zunächst flehentlich und dann auf einmal burlesk, sucht die Musik nach einer Antwort, aber findet sie nicht einmal im flirrenden Finale. Keiner der Sätze endet, wie man es erwarten würde.

Schließlich: Karol Szymanowski. Seine Sonate d-moll op. 9 ist ein immer noch sträflich vernachlässigtes Frühwerk. Während Blechacz schon seit vielen Jahren mit diesem Stück seines polnischen Landsmanns vertraut ist, hat Kim es eigens neu einstudiert, auch für die Studioaufnahme, die kürzlich bei der Deutschen Grammophon herauskam. Unbändig in seinem jugendlichen Ausdruckwillen ist das Allegro Moderato Patetico. Im Andantino entfalten sich zaghaft melodische Linien, gefolgt von verstohlenen Pizzicati und einer Kantilene, lyrisch wie ein Gedicht in Schönschrift. Das Finale endet turbulent, und die zwei Ausnahmetalente lassen ein überaus begeistertes Publikum zurück. Ob sie in Zukunft weiter gemeinsam musizieren? Kim sagt, sie würde sich freuen. Damit ist sie nicht allein.

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