Von Leah Biebert
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Schillernd beginnt das Streichquintett Nr. 2 in G-Dur von Johannes Brahms, das Cello schwingt sich freudig empor. Tianwa Yang übernimmt in der ersten Geige die Führung, die anderen Spieler folgen. Über dem Pizzicato von Leonard Elschenbroichs Cello reichen sie einander das schwelgerische Motiv weiter.

Zum ersten Mal treten die Musiker in dieser Besetzung auf, sie kannten sich vorher nicht. Neben Yang, Elschenbroich und dem Bratscher Friedemann Slenczka sind das die Geigerin Noa Wildschut und die Bratscherin Lilya Tymchyshyn, Teilnehmerinnen der Kammermusik Akademie. Im Lauf weniger Tage studieren sie mit ihren Mentoren Werke ein und führen sie in der Heidelberger Stadthalle auf.

Zurückhaltend, vorsichtig, ja beinahe fragil das Adagio. Die Musiker neigen sich die Köpfe zu, achten aufeinander, spielen mit Bedacht. Dann gewinnt das Stück an Dramatik, das Quintett dreht auf, bis sich die Spannung in einem wilden Tremolo entlädt. Im dritten Satz finden die Fünf zu einem klassisch-romantischen Gestus zurück, Wildschut und Tymchyshyn strahlen einander an. Das Finale: ein rasanter Ritt auf dem Karussell. Die Stipendiaten und Mentoren wissen die gesamte klangliche Vielfalt des Werks auszukosten.

Bei Paul Hindemiths Sonate für Viola und Klavier hingegen findet das Spiel von Lilya Tymchyshyn und Rachel Cheung nicht zusammen. Hypnotisch kreisen die Melodien umeinander, aber die Sogwirkung währt nur einen kurzen Moment. Schnell kehrt Cheung zu unerbittlicher Lautstärke zurück, rauscht im Galopp durch die Lagen. Die Bratsche wird aufmüpfig, steigt ein mit hitzigem Widerspruch.

Doch es fehlt das Gespür, auch der Mut zum Spiel mit den Ideen des Stücks. Man vermisst dynamische Entwicklungen, die Sonate wirkt zerfahren, bleibt mehr Kampf als Zusammenspiel. Das eigentlich so spannungsreiche Stück wird nur an der Oberfläche gestreift.

Im Gespräch verrät Noa Wildschut, dass es immer einen bestimmten Moment gibt, in dem sie merkt, ob das Zusammenspiel funktioniert. Bei Brahms sind die Spieler ohne Frage auf einer Wellenlänge. Bei Cheung und Tymchyshyn steht der Moment noch aus.

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