Von Leah Biebert
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Dass der junge Komponist bei seinem Auftritt keinen Rollkragenpulli trägt, ist fast schon ein bisschen enttäuschend, präsentiert sich Kirill Richter doch sonst so gern in diesem Kleidungsstück. Fläzt sich darin auf einem Regiestuhl, schmückt den Kragen mit einem übergroßen Schmetterling, blickt gedankenverloren in die Ferne. Und das auf all seinen Social-Media-Kanälen.

Der Rolli ist schon lange das Markenzeichen der Künstler, Kreativen und Verkopften. Audrey Hepburn trug ihn in „Ein süßer Fratz“, Steve McQueen machte ihn salonfähig, die Beatles trugen ihn unter dem Jackett, Simon & Garfunkel auf Plattencovern. Man sieht den Rolli auf Vernissagen, auf Frauendemos, in Architekturbüros. Spätestens seit Steve Jobs ist er das Symbol für den eleganten Nerd.

Das Teil ist schlicht und funktionell, auch die heutige  Bohème hat diesen stylischen Minimalismus für sich entdeckt. Sie ist die Elitetruppe der modebewussten und kulturell gebildeten Individuen, man trifft sich im Turtleneck-Club, trinkt Wein. Und alle tragen Rolli.

Dass der Komponist an diesem Konzertabend im Frauenbad keinen Rollkragenpulli trägt, ist aber nicht so schlimm. Da gibt es dieses Paar im Publikum. Zwei Rollis, eng anliegend. Sie trägt lila, er schwarz. Natürlich ist sie ungeschminkt, natürlich trägt er Hornbrille und Man Bun. Sie trinken Wein. Natürlich halten sie ihre Gläser am Kelch.

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