Von Magdalena Hinterbrandner
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Wenn Oma und Opa mit ihren Kindern und Kindeskindern in ein Familienkonzert gehen, denkt man sich nichts Böses. Eine Familie möchte den gemeinsamen Sonntagnachmittag genießen. Ach, schön!

Und nach der Vorstellung springen die Kinder aus dem Konzertsaal und jauchzen: „Omi, nochmal!“ So geht Familienkonzert.

Die belgische Zonzo Compagnie ist da ganz anderer Meinung. Ihr Anliegen ist es, in dem Stück „BerBerio“ Kinder mit Musik von Luciano Berio bekannt zu machen. Sie haben dafür Stücke, die Berio für seine Muse, die unvergleichliche Vokalartistin Cathy Berberian komponiert hatte, in kleine Fetzen gerissen und zeigen dazu gruselige Videos. Um es gleich zu sagen: Das hat Berio nicht verdient. „Na, wie hat es dir gefallen?“ frägt der Papa. „Gaaaar nicht!“ schreit das Mädchen. Ein Junge, schluchzend, in Tränen aufgelöst, wird von der Mutter in die Arme geschlossen und getröstet: „Das war doch gar nicht echt“.

Aber irgendwie war doch ganz schön viel echt. Diese Münder an der Wand! Erst ein Riesenmund, danach viele kleine, dann Lippen, Zähne und Zungen, Speichelfäden inklusive. Ein Mund blubbert. Ein Mund schmatzt. Ein Mund isst Schokolade und kaut genüsslich auf ihr herum, aus Masse wird Matsch. Eine Sängerin live auf der Bühne gibt verwirrte Laute von sich und pappt Klebeband auf den Boden. Da war es wenigstens noch einigermaßen hell.  Dann wurde es dunkel. Es blieb dunkel. Unheimlich dunkel.

Man hätte mit den Knirpsen gleich ins Kino zu „Paranormal Activity“ gehen können. Da gibt es wenigstens eine Geschichte, auch wenn sie den Großeltern vielleicht nicht gefallen würde. Aber die denken sich sowieso: Nie wieder Familienkonzert.

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