Von Magdalena Hinterbrandner
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Eigentlich war das anders geplant, im Programmbuch stand Felix Mendelssohn Bartholdy. Aber bei Kammermusik-Stipendiaten kann sich schnell etwas ändern, lebt eine Akademie doch von Spontanität und Flexibilität. So bekommt das Publikum beim Mittagskonzert Mozart und Brahms zu hören, auch treten statt des ursprünglich vorgesehenen Oktetts zwei Streichquartette auf. Die Besucher sind gespannt.

Die jungen Musiker des Quatuor Bergen haben sich 2015 am Pariser Konservatorium kennengelernt. Sie setzen sich selbstbewusst auf die Bühne, werfen ein kurzes Lächeln in die Runde und schon erfüllt Mozarts leichter, fröhlicher Klang den Raum. Die Unbeschwertheit des Streichquartetts F-Dur KV 168 überträgt sich auch auf das Ensemble mit den Geigerinnen Mathilde Klein und Sakkan Sarasap, der Bratscherin Mirabelle Le Thomas und der Cellistin Magdalena Probe. Keine Anspannung oder Aufregung trübt ihr Spiel. Die erste Geige gibt ein bisschen frech den Ton an und fordert die anderen Stimmen zum heiteren Zusammenklang auf. Das Quartett bleibt zaghaft in der Dynamik, verleiht den Melodien zwar Spritzigkeit, vermag den Hörer aber trotzdem nicht zu packen.

Mit dem f-moll-Klavierquintett von Johannes Brahms op. 34 tritt das französische Ensemble Quatuor Tchalik auf, zusammen mit dem Pianisten Tony Yun, auch sie sind Akademisten. Dass sich hier die richtigen gefunden haben, zeigt sich bereits in den ersten Takten, wenn Violine und Klavier die leicht dramatische Einleitung intonieren. Jeder der ausdrucksstarken Streicher  – die Geschwister Louise, Sarah, Gabriel und Marc Tchalik – könnte auch solistisch auftreten. Tony Yun findet die perfekte Balance zwischen eigenem authentischen Spiel und Zurückhaltung zugunsten der Streicher. Kein Instrument drängt sich in den Vordergrund, alles harmoniert. Sanfte Imitationen, Motive werden von Stimme zu Stimme weitergereicht, das Klavier steigt in den Dialog mit ein. Die mitreißende Dynamik, die das Quintett an den Tag legt, überträgt sich auf das Publikum.

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