Von Magdalena Hinterbrandner
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Sie tanzt elegant auf den Tasten, luftig und leicht. Dabei wirkt Rachel Cheung zunächst angespannt bei ihrem Klavier-Recital im Kulturzentrum Frauenbad, César Francks „Prélude, fugue et variation h-Moll“ op.18  geht ihr erst nicht richtig von der Hand. Langsam löst sich der Knoten, der Klang wird freier, unbeschwerter, strahlender.

Vielleicht ist es wie mit Diamanten. Sie müssen geschliffen und poliert werden, das dauert. In Fréderic Chopins 24 Préludes op. 28 funkelt bald jeder Ton, manchmal blendend, manchmal zart. So dynamisch spielt die chinesische Pianistin, die als Stipendiatin an der Kammermusik Akademie des Heidelberger Frühlings teilnimmt.

Fast vierzig Minuten lang ist Chopins Klavierzyklus, mit fröhlichen und schwermütigen Geschichten. Rachel Cheung lehnt sich kurz zurück, schließt die Augen. Dann das erste Prélude: ein Springbrunnen an einem Sommertag. Perlender Anschlag, die Töne im Fluss – Cheung spielt mit verblüffender Unbeschwertheit und schöpft zugleich das gesamte Spektrum der Dynamik aus. Ihr Forte füllt den Raum, im nächsten Moment könnte man eine Stecknadel fallen hören.

Cheung nimmt sich Zeit, legt Emotion in jeden Takt. Sie poliert tatsächlich, die Bässe schimmern, die Höhen glänzen. Ihr Lächeln spiegelt sich in ihrem Spiel. Wenn sie bei den schwermütigen Melodien die Augen schließt, tun viele aus dem Publikum es ihr gleich. Bis zum aufrüttelnden letzten Prélude: Cheung beugt sich über die Tasten, ihr Ausdruck gewinnt energische Züge.

Lange Stille nach dem letzten Basston, dann Jubel – und zwei Zugaben von Schubert und Liszt. Cheung verbeugt sich bescheiden. Als würde der Applaus nicht ihr gelten, sondern der Musik.

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