Die Zeitung wird digital.

Sie wird vom Netz verschluckt. So posaunt es aus allen Verlagsfenstern, als wäre dies eine apokalyptische Vision. Begonnen hatte das Papier-Zeitungssterben freilich schon zu Beginn dieses Jahrhunderts, als das essentielle Anzeigengeschäft der Printmedien ins Internet übersiedelte. Die gesamte meinungsbildende Branche ist davon betroffen, Ursachenforschung fast so witzlos wie Schuldzuweisung, denn dieser Prozess ist unaufhaltbar und irreversibel. Der Begriff der bürgerlichen Öffentlichkeit ist in heller Auflösung: vertraute Verbindungen werden gekappt, soziale Verabredungen und alte Verträge gekündigt, alle Bilder werden größer, bunter, dreister, alle Kommunikationskanäle vielfältiger, verzweigter und beliebiger, die Texte kürzer und weniger. Klassische Textsorten verschwinden, Inhalte orientieren sich an der Quote, Geplauder ersetzt Kompetenz, Reklame ersetzt den Diskurs.

Die Musikkritik muss sich neu aufstellen.

Die Heidelberger Musikjournalisten-Akademie stellt alte Fragen unter neuen Vorzeichen: Für wen schreiben wir eigentlich? Wo steht das Publikum, was wollen die Musiker von uns, wie können wir zurückwirken in den Musikbetrieb? Welche objektiven Kriterien gibt es für Qualität? Welche neuen Formen können wir entwickeln, welche alten Gewohnheiten müssen über Bord? Wozu noch Musikkritik? Musikkritik darf weder nur Einkaufshilfe sein, noch ist sie Geschmackssache – schließlich ist auch die Musik mehr als nur eine Feierabend-Bespaßung.  Herzstück der Heidelberger Musikjournalisten-Akademie  ist deshalb die Schreibwerkstatt. Schreiben über Musik ist erlernbar und optimierbar, getreu dem alten Journalistenmotto: Wer schreibt, bleibt.